{"id":271,"date":"2023-05-02T22:00:05","date_gmt":"2023-05-02T22:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.b-klarinette.de\/baermann-epoche"},"modified":"2024-10-21T18:56:18","modified_gmt":"2024-10-21T16:56:18","slug":"baermann-epoche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.b-klarinette.de\/index.php\/fachbeitraege\/baermann-epoche.html","title":{"rendered":"Baermann-Epoche"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.b-klarinette.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/baermann-epoche.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"font-size:10px\">von Steffen Liers<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/amzn.to\/3BIin86\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Carl Baermann- Musik und mehr hier bei Amazon<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Immer wieder tauchen in der Klarinetten-Literatur zwei Namen auf, die viele Musiker vom H\u00f6rensagen kennen und doch sind in der einschl\u00e4gigen Fachliteratur, nur noch wenige Informationen \u00fcber jene K\u00fcnstler zu finden. Geschuldet durch viele Kriegsjahre und den vom Wind der Zeit verwehte Spuren, soll dieser Fachbeitrag an zwei gro\u00dfartige Klarinettisten erinnern, die entscheidend die Klarinettenkultur in Deutschland pr\u00e4gten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hierbei handelt es sich um Heinrich Joseph Baermann (*14. Februar 1784 in Potsdam; \u202011. Juni 1847 in M\u00fcnchen) und seinen Sohn Carl (*24. Oktober 1811 in M\u00fcnchen; \u202024. Mai 1885 in M\u00fcnchen). Dabei z\u00e4hlten Vater und Sohn zu \u00fcberaus bekannten Klarinettengr\u00f6\u00dfen ihrer Zeit und das \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg, die entscheidend die Klarinettenkultur in jener Epoche pr\u00e4gten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"255\" height=\"322\" src=\"https:\/\/www.b-klarinette.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/h.j.baermann.jpg\" alt=\"Heinrich Joseph Baermann\" class=\"wp-image-268\" title=\"Heinrich Joseph Baermann\" srcset=\"https:\/\/www.b-klarinette.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/h.j.baermann.jpg 255w, https:\/\/www.b-klarinette.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/h.j.baermann-238x300.jpg 238w\" sizes=\"auto, (max-width: 255px) 100vw, 255px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Vater Heinrich war ein Klarinettist, der als gro\u00dfer Virtuose auf seinem Instrument galt. Geboren in Potsdam als Sohn eines preu\u00dfischen Milit\u00e4rmusikers, wurde schon fr\u00fch sein musikalisches Talent entdeckt. Von 1797 bis 1804 erhielt Heinrich Joseph Baermann an der Milit\u00e4rmusikschule zu Potsdam, beim Klarinettisten Joseph Beer Musikunterricht, der als k\u00f6niglich preu\u00dfischer Kammermusikus wirkte. Diese sehr pr\u00e4gende Zeit und Baermanns gro\u00dfes musikalisches Talent, sollten ihm in Zukunft noch viele T\u00fcren f\u00fcr seine Karriere \u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Schon fr\u00fchzeitig wurde Prinz Louis Ferdinand (1772-1806) auf den jungen K\u00fcnstler aufmerksam und berief ihn letztendlich nach Berlin, wo er vom k\u00f6niglichen Hofmusiker Franz Wilhelm Tausch, der ein vorz\u00fcglicher Komponist und Klarinettenvirtuose war, ausgebildet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Als tiefen Einschnitt in seine Laufbahn ist hier der Napoleonische Krieg zu nennen, der Baermann vor\u00fcbergehend dazu zwang, an den K\u00e4mpfen teilzunehmen, um dann auf tragische Weise in Kriegsgefangenschaft zu geraten. Gl\u00fccklicherweise konnte er sich durch eine Flucht wieder daraus befreien. Jedoch fand er zur\u00fcckgekommen, in das von Franzosen besetzte Berlin, keine Anstellung. Erst ein Empfehlungsschreiben des bayerischen Kronprinzen Ludwig I. Karl August (1786\u20131868), an seinen Vater K\u00f6nig Maximilian I. (1756-1825) brachte die ersehnte Wende.<\/p>\n\n\n\n<p>Baermanns Talent beeindruckte den K\u00f6nig derart, dass er ihm unverz\u00fcglich eine Stelle in seiner Hofkapelle anbot.&nbsp; F\u00fcr die Inszenierung von zwei Opern wurde die bekannte Sopranistin Helena Harlas (1785-1818) engagiert. Schnell freundeten sich Baermann und die bereits katholisch-geehelichte Helena an, was in einer tiefen, langj\u00e4hrigen Liebesbeziehung au\u00dferhalb der damalig-gesellschaftlichen Normen endete, woraus f\u00fcnf <a href=\"https:\/\/www.b-klarinette.de\/index.php\/grundlagen\/kinderklarinette.html\">Kinder<\/a> entstanden, darunter auch sein Sohn Carl.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem fr\u00fchen Tod seiner gro\u00dfen Liebe Helena Harlas, wagte Heinrich den \u00dcbertritt zum Protestantismus und heiratete am 19. September 1825 Maria von Calatin.<\/p>\n\n\n\n<p>Baermann konnte sich immer weiter k\u00fcnstlerisch beim Bayerischen K\u00f6nigshaus etablieren, worauf ihm schlussendlich die Stelle eines &#8222;Ersten Klarinettisten&#8220; in der Hofkapelle angeboten wurde, die er dankend annahm. Bis ca. 1834 stand er somit als Klarinettist an der Spitze des Bayerischen K\u00f6nigshofs. Besonders seine technische Brillanz und ausgepr\u00e4gte, k\u00fcnstlerische Inspiration verhalfen ihm zu internationalem Ruhm und Anerkennung. Zwischen 1808 und 1843 f\u00fchrten ihn zw\u00f6lf Konzertreisen etwa nach London, Paris, Wien, Moskau und Sankt Petersburg. Die in den Lehrwerken immer wieder erhobene Forderung, ein Klarinettist m\u00fcsse auf seinem Instrument singen, erf\u00fcllte Baermann auf eindrucksvolle Weise und er begeisterte so sein Publikum.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein k\u00fcnstlerisches Wirken als Klarinettist, zusammen mit den sp\u00e4teren Wegbegleitern und Freunden, wie Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy, trugen einen erheblichen Anteil daran, dass gro\u00dfartige Werke f\u00fcr Klarinette von den zwei Komponisten geschaffen wurden, die Baermann durch sein K\u00f6nnen inspirierte (wie z. B. Klarinettenkonzert Nr. 1 in f-Moll op. 73; Carl Maria von Weber oder auch Konzertst\u00fcck f\u00fcr Klarinette, Bassetthorn und Klavier op. 113; Felix Mendelssohn Bartholdy).<br>Als er am 11. Juni 1847 nach einem turbulenten Leben starb, wurde er unter gro\u00dfer Anteilnahme der Bev\u00f6lkerung auf dem Alten S\u00fcdfriedhof in M\u00fcnchen beigesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Leben und Wirken vom Sohn Carl Baermann<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"252\" height=\"341\" src=\"https:\/\/www.b-klarinette.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/c.baermann.jpg\" alt=\"Carl Baermann, der Klarinettist\" class=\"wp-image-269\" srcset=\"https:\/\/www.b-klarinette.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/c.baermann.jpg 252w, https:\/\/www.b-klarinette.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/c.baermann-222x300.jpg 222w\" sizes=\"auto, (max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Carl Baermann lernte schon zeitig bei seinem Vater Heinrich Klarinette und ging mit ihm in fr\u00fchster Jugend, oftmals per Pferd und Wagen auf Konzertreisen. Diese f\u00fcr Carl \u00fcberaus pr\u00e4gende Zeit schuf wichtige <a href=\"https:\/\/www.b-klarinette.de\/index.php\/grundlagen\/grundlagen.html\">Grundlagen<\/a> f\u00fcr sein sp\u00e4teres Wirken als Klarinettist, Komponist und Lehrer. Bemerkenswert sei hier, dass zwischen Vater und Sohn immer ein Klima der Selbstdisziplin und Strenge herrschte, ohne dies die virtuos-k\u00fcnstlerischen Leistungen wahrscheinlich nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren. \u00dcberdr\u00fcssig von den vielen Reisen, die nicht nur inspirierend, sondern auch teilweise zeitraubend und anstrengend waren, beschloss Carl in M\u00fcnchen zu bleiben. Seine Liebe zum Bassetthorn lie\u00df ihn zu einem ausgezeichneten Bassett-Klarinettisten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein ausgepr\u00e4gtes Interesse am Instrumentenbau, f\u00fchrte ihn 1855 zum M\u00fcnchener Instrumentenbauer und Hoflieferanten Georg Ottensteiner (1815-1879), mit dem er 1859 die Baermann-Ottensteiner-Klarinette mit 18 Klappen entwickelte. Dies war eine enorme Weiterentwicklung gegen\u00fcber fr\u00fcheren Klarinetten. Durch die verbesserte Klappenmechanik konnten ab jetzt technisch-anspruchsvollere Musikst\u00fccke gespielt werden, womit der Klarinettist Richard M\u00fchlfeld (1856-1907) sp\u00e4ter auch Werke von Johannes Brahms auff\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch als Komponist und Klarinettenlehrer wirkte Carl Baermann. Seine Klarinettenschulen; op. 63 und op. 64; sind auch noch heute ein wichtiger Bestandteil beim Klarinettenunterricht. In den zahlreichen Et\u00fcden wird der Sch\u00fcler p\u00e4dagogisch-geschickt durch die jeweiligen Dur- u. Molltonarten gef\u00fchrt, um systematisch technisch- u. musikalische Fortschritte zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfes Augenmerk richtete Baermann hier auch auf die Tonentwicklung. Nach seiner Meinung spricht der \u201eK\u00fcnstler durch den Ton zu seinen Zuh\u00f6rern&#8220;; oder der Ton soll \u201esch\u00f6n und edel\u201c sein; auch ein fingertechnisch perfekt vorgetragenes St\u00fcck ist ohne gepflegten Ton k\u00fcnstlerisch wertlos. Dem ist auch aus heutiger Sicht nichts hinzuzuf\u00fcgen. Am 24. Mai 1885, starb Carl Baermann ebenfalls wie sein Vater in M\u00fcnchen. Ein gro\u00dfer Verlust, der durch sein Wirken auch noch heute sichtbare Spuren in der Klarinettenwelt hinterlassen hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Historical Clarinet Diaries #2: Baermann Romanze\" width=\"660\" height=\"371\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/MW6IM8OLPME?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">H\u00f6rbeispiel und YouTube Video mit Kopie einer Baermann-Ottensteiner-Klarinette &#8222;Romanze aus der Baermann Klarinettenschule&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"1105\" src=\"https:\/\/www.b-klarinette.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/baermann-ottensteiner.jpg\" alt=\"Baermann Ottensteiner Klarinette\" class=\"wp-image-270\" srcset=\"https:\/\/www.b-klarinette.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/baermann-ottensteiner.jpg 700w, https:\/\/www.b-klarinette.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/baermann-ottensteiner-190x300.jpg 190w, https:\/\/www.b-klarinette.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/baermann-ottensteiner-649x1024.jpg 649w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/1430b66fa39f43bd8505a37230d04c5f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\">\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Steffen Liers Carl Baermann- Musik und mehr hier bei Amazon Immer wieder tauchen in der Klarinetten-Literatur zwei Namen auf, die viele Musiker vom H\u00f6rensagen kennen und doch sind in der einschl\u00e4gigen Fachliteratur, nur noch wenige Informationen \u00fcber jene K\u00fcnstler zu finden. 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