Der MUSIKWINKEL. historisches Zwischenstück:

In diesen geographischen Begriff beziehe ich auch das Gebiet jenseits des südlichsten Zipfels von Sachen ein.

In der Zeit der Donau- Monarchie gelangte man hier nach Böhmen. Durch die Vielzahl mineralischer Quellen kam es sozusagen auf dem Reißbrett zum Entwurf von Badeorten mit großen herrschaftlichen Parkanlagen für die Sommerkuren der österreichischen Aristokratie. Auch die imposante Sommerresidenz des Fürsten Metternich befindet sich hier. Seit einigen Jahren, vollständig renoviert, dem Publikumsverkehr zugänglich.

Nach dem Grenzübergang bei Bad Brambach mit Radon - Quellen, erreicht man zunächst Franzensbad. Es folgen die heute wieder im alten Glanz erstrahlenden, in Romanen, Biographien et cetera verewigten Bäder Marienbad und Karlsbad.

Im Sommer bietet das schmucke kleine Theater in Marienbad wieder Vorstellungen an. Natürlich gibt es auch wieder Kurorchester. Alles in alIem ein Eldorado für Nostalgiker, Ältere die sich verlieben wollen.

In der Hochblühte des aristokratischen Ambiente gab die Anwesenheit von Orchestern zum Hören und Tanzen, der Auftritt gefeierter Stars et cetera der Ansiedelung von Instrumentenbauern jenseits und diesseits der Grenze, weiteren Auftrieb.

Markneukirchen und Graslitz wurden in Deutschland und Österreich innovative Zentren des Instrumentenbaus für traditionsreiche europäische Instrumente, einschließlich aller Arten von Zubehör.

Die weltweit führende Saitenindustrie in Markneukirchen veranlasste die Vereinigten Staaten zum Gründen eines Konsulats in Markneukirchen. Die Villa "Paulus- Schlössl" gibt Zeugnis davon.

Mit diesen Zeilen möchte ich lediglich Interesse wecken für eine in Europa einmalige ' "Handwerkerkultur," der Markneukirchen alljährlich im Sommer ein Fest widmet. Der 2. Weltkrieg hat mit "ehener Kralle" seine zerstörende Handschrift hinterlassen.

Der Abschnitt über Die WIENER KLARINETTE ist nur nährungsweise zum Hauptthema passend. Meine mehrjährige praktische Erfahrung mit Hammerschmidt- Klarinetten lässt mir aber Raum für gewisse Rückschlüsse auf den Entwicklungsgang dieser deutschen Bauweise.

Die Protagonisten der Entwicklung sind Kaktan und Hammerschmidt. Letzterer gehört zu einer "Dynastie" die in Graslitz mit Cari Hammerschidt ihren Anfang nahm.

Der Schüsselbegriff zum Entwicklungskonzept Kaktan- Hammerschmidt ist die BOHRUNG.

Der historische und kulturelle Gegensatz des "preußischen Berlin" und der "Balkanhauptstadt" Wien ist in Operetten und Lustspiele eingegangen, zum Beispiel.

Geuser sagte mir: Wenn wir mit der Oper unter den Linden in Wien waren, sagten die Wiener Kollegen: Ach die Deutschen mit ihren C- Klarinetten.

Ein dunkeltöniger Klarinettenklang der die Mischfähigkeit mit Streichen in der Kammermusik an die erste Stelle setzt, hat in Wien eine lange Tradition.

Kaktan kam offensichtlich zu dem Schluss, dass die besten Erfolgsaussichten in einer bisher nie versuchten großen Bohrung gefunden werden könnten.

Zur technischen Umsetzung waren daher wesentlich dickwandigere Ober- und Unterstücke erforderlich.

Dadurch entstanden bei Instrumenten mit Bohrungen von 15,3 oder 15,4 mm zum Beispiel, tiefe Tonlochschächte, insbesondere im Oberstück. Beim Unterstück wurde - wahrscheinlich dem französischen Beispiel folgend - die traditionelle Länge und Weite des Konus beträchtlich überschritten, nach Maßgabe der Spielbarkeit des 3. Registers bei so großen Bohrungen.

Eine Vermutung: Am Beginn der akustischen Erforschung auf diesem so neuen Weg, könnte Kaktan überrascht gewesen sein, als er feststellte, dass bei so tiefen Tonlochschächten das seit dem Mittelalter angewandte "Unterschneiden" (Erweitern des Tonlochs am Eintritt in die Bohrung zur Rauschbefreiung des Klanges), die Ansprache zum Verschwinden bringt. Stattdessen muss das Tonloch von oben erweitert werden, was sogar eine Vereinfachung des Bauens ergibt. Das Oberstück bedarf hier besonderer Beachtung.

Tondokumente mit Leopold Vlach

Wiener Philharmoniker, Bruno Walter, Karl Boehm u.a.in Sinfonien und Opern

W.A. Mozart: Klarinettenkonzert

Kammermusik; Brahms- Quintett - Schubert Oktett, live - Hans Pfitzner Sextett.

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