| Die Klarinette ist ein transponierendes Musikinstrument aus der Familie
der Holzblasinstrumente. Sie hat eine vorwiegend zylindrische Bohrung und
ist mit einem Mundstueck mit einfachem Rohrblatt ausgestattet. Der Name
des Instruments (kleines Clarino) wird darauf zurueckgefuehrt, dass sie
im hohen Register aehnlich klingt wie die hohe Clarin-Trompete, deren Funktion
sie im 18. Jahrhundert auch teilweise einnahm. Spieler der Klarinette nennt
man Klarinettisten.
Aufbau und Funktion Klarinettenteile. Der Korpus der Klarinette besteht ueblicherweise aus Grenadillholz, auch aus Buchsbaum- oder Ebenholz, seltener aus Metall oder verschiedenen Kunststoffen. Die Klappenmechanik ist in der Regel aus versilbertem Neusilber, selten aus Messing, Silber oder Gold. Die Gesamtlaenge der B-Klarinette betraegt ungefaehr 66 cm (71 cm bei der A-Klarinette), und die Innenbohrung ist etwa 13 mm weit. Um einfacher hergestellt, transportiert und gewartet werden zu koennen, besteht die Klarinette aus fuenf getrennten Teilen, die mit korkbelegten Zapfen ineinander gesteckt werden. Das schnabelfoermige Mundstueck wird aus gehaertetem Kautschuk oder frueher auch aus Holz hergestellt. Moderne Mundstuecke sind aus Kunststoffen wie Ebonit oder Acryl, auch aus Glas, Metall oder Plastik. Der eigentliche Tonerzeuger ist das etwa 12,5 mm breite einfache Rohrblatt (kurz Blatt oder Blaettchen genannt, siehe auch Zunge), das am Mundstueck (auch Schnabel genannt) befestigt wird. Es ist fast immer aus Rohrholz (Pfahlrohr, Arundo donax), da Kunststoff-Blaetter bisher nur selten zu einem den Spieler befriedigenden Klang fuehren.
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| Zur Befestigung werden je nach gewuenschtem Klang und Gewohnheit des Klarinettisten Metallhalter oder Baender verwendet (beide Blattschrauben genannt) oder im Deutschen System auch ca. 50 cm lange Blattschnuere, mit denen Mundstueck und Rohrblatt umwickelt werden. Die Birne, auch Fass genannt, dient der Feinstimmung. Der Trichter (Hauptausdruck), der auch viele andere Namen wie Becher, Stuerze oder Schallstueck, Schallbecher hat und fuer den Klang der tiefsten Toene ausschlaggebend ist. Zum Stimmen des Instrumentes verwenden Klarinettisten einerseits Birnen unterschiedlicher Laengen, andererseits kann auch der Zapfen des Mundstuecks etwas weiter aus der Birne ausgezogen werden, um tiefer zu intonieren. Je nach Beschaffenheit des Korks am Mundstueck-Zapfen und der Praezision der Bohrung der Birne kann diese letzte Methode des Stimmens durch ein wackelndes Mundstueck zu Problemen mit dem Ansatz fuehren. Üeblicherweise wird die Klarinette deutscher Bauweise zunaechst auf dem notierten c2 gestimmt, anschließend auf dem notierten g1. Muss das c2 tiefer intoniert werden, ist es ratsam, das Oberstueck der Klarinette ein Stueck weit aus dem Unterstueck herauszuziehen. Fuer die Stimmung des g1 wird danach entweder eine Birne groeßerer Laenge eingesetzt oder die vorhandene Birne ein wenig vom Oberstueck ausgezogen. Wenn bei einer erneuten Kontrolle das c2 nun zu tief erscheint, muss entsprechend in der Mitte korrigiert werden. Diese Stimm-Methode hat den Vorteil, dass die Toene, die auf den unterschiedlichen Teilstuecken des Instruments gespielt werden (c1-b1 und deren ueberblasene Toene auf dem Oberstueck; e-h und deren ueberblasene Toene auf dem Unterstueck), sich unabhaengig voneinander stimmen lassen. Physik Durch den Luftstrom, der vom Musiker in das Instrument geblasen wird, beginnt das am Mundstueck befestigte Rohrblatt hin- und herzuschnellen. Die Klarinette verhaelt sich dabei wie ein einseitig geschlossenes zylindrisches Rohr (am Mundstueck geschlossen, am Trichter offen). Das heißt, nur ein Viertel der Wellenlaenge befindet sich im Rohr. Daher klingt die Klarinette bei gleicher Rohrlaenge eine Oktave tiefer als die Floete, die ein beidseitig offenes Rohr ist, bei dem sich die halbe Welle im Rohr befindet. Die Frequenz dieser Schwingung haengt einerseits von der Laenge der geschlossenen Luftsaeule im Korpus ab, die durch oeffnen und Schließen der Tonloecher und Klappen veraendert werden kann, wird aber andererseits auch durch den Lippendruck und die Blasstaerke beeinflusst, mit denen man kleine Korrekturen der Tonhoehe vornehmen kann. Das ueberblasen wird durch eine ueberblasklappe ermoeglicht, die gleichzeitig das a' zum b' erhoeht. Gute Klarinetten ermoeglichen fuer grifftechnisch neuralgische Toene mehrere Moeglichkeiten, die eine sinnvolle Griffkombination sowie eine befriedigende Intonation ermoeglichen. Fuer Trillertoene koennen auch die seltener verwendeten Hilfsklappen am Oberholz verwendet werden, wenn man geringe Unterschiede in der Tonhoehe in Kauf nimmt. Weil die Klarinette ein einseitig geschlossenes zylindrisches Rohr ist, weist das Spektrum der Klarinette nur Obertoene ungeradzahliger Ordnung auf. Daraus resultiert ihr eher dumpfer (gedackter) Klang. Aus dem gleichen Grund ueberblaest die Klarinette in die Duodezime (also von 1/4 Wellenlaenge nach 3/4 Wellenlaenge) und nicht in die Oktave wie etwa die Floete oder auch das Saxophon, bei dem wegen des konischen Rohrs wieder andere Verhaeltnisse herrschen. Dadurch hat die Klarinette einen großen Tonumfang (praktisch eine ganze Oktave mehr als zum Vergleich Saxophon, Oboe oder Blockfloete). Das dritte Register ueberblaest zwei Oktaven und eine Terz. Der gesamte Tonumfang betraegt mehr als drei Oktaven. Die Obertonreihe der einzelnen Register charakterisiert auch ihren Namen. So heißt das tiefe, dumpfe Register Chalumeau-Register, da es dem Klang des Chalumeau entspricht, das noch nicht in ein hoeheres Register ueberblasen konnte. Bisweilen wird das Register Schalmei-Register genannt (Schalmei und Chalumeau haben dieselbe etymologische Wurzel), was aber irrefuehrend ist, da der Klang der Schalmei im Gegenteil laut und offen ist. Das Mittel-Register heißt Clarinregister und erinnert an den Klang in hoher Lage gespielter Blechblasinstrumente (Clarinblasen). Das hohe Register traegt den Namen Flageolett-Register, der auf den Charakter einer Flageolett-Floete hinweist. Die Artikulation erfolgt bei der Klarinette meistens durch einen Zungenschlag, der auch als Zungenstoß bezeichnet wird, kann aber, fuer besonders weich einsetzende Toene, auch durch den kontrollierten Luftstrom allein erfolgen. Griffsysteme B-Klarinette, Boehm-System Zwei vorherrschende Griffsysteme sind das deutsche System (Oehler-System) und das franzoesische System (Boehm-System). Die Grifftechnik der deutschen Klarinetten leitet sich von der Barock-Blockfloete ab. Das Boehm-System kommt ohne Rollverbindungen aus und vermeidet einige Gabelgriffe. Die Einfachheit der Griffe der franzoesischen Klarinette verbunden mit der Klappentechnik der deutschen Klarinette findet sich auf modernen Saxophonen. Typisch sind vor allem Rollverbindungen zwischen Klappen. Neben Unterschieden in der Griffweise benutzt das Boehm-System ein Mundstueck mit weiterer oeffnung und ein breiteres Blatt. Dadurch ist der Klang der Boehmklarinette schaerfer, flexibler und obertonreicher. Der Klang der Deutschen Klarinette wirkt reiner, sonorer und waermer. Da jedoch unterschiedliche Mundstuecke, Blaetter, und hauptsaechlich die Vorstellung des Spielers wesentlich zum Klangergebnis beitragen, kann natuerlich auch auf Boehm-Klarinetten ein sehr reiner Klang bzw. ein flexibler heller Sound auch auf deutschen Klarinetten erzeugt werden. In der klassischen Orchestermusik ist das deutsche System oder Oehler-System hauptsaechlich in Deutschland und oesterreich verbreitet, waehrend das Boehm-System ueberall sonst Verwendung findet (dieses wird dafuer jedoch in deutschen Symphonieorchestern meist abgelehnt). Innerhalb nicht-klassischer Musik, insbesondere dem Jazz, ist das Boehm-System staerker verbreitet, auch einige Dixieland- und Klezmerspieler ziehen es deutschen (Albert-System) Klarinetten vor, da das Schleifen der Noten (Glissando) wegen des breiteren Blattes einfacher ist. Neben den beiden genannten Systemen gibt es auch weitere, weniger beruehmte, wie z. B. das Pupeschi-System oder das Mazzeo-System - diese konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Es gibt traditionell starke Verfechter des einen oder anderen Systems und hochkaraetige Solisten in beiden Lagern. Trotzdem sind die beiden Griffsysteme ein vieldiskutierter Streitpunkt bei vielen Klarinettisten, da Spieler oft sehr von ihrem eigenen System ueberzeugt sind und unbegruendete Vorurteile gegenueber dem anderen haben. Tatsaechlich haben aber beide Systeme ihre Berechtigung und sind fuer bestimmte Komponisten, bestimmte Literatur bzw. bestimmte Stilrichtungen besser oder schlechter geeignet. Bauformen Die Familie der Klarinetten hat zahlreiche Vertreter in unterschiedlichen Groeßen, weil sich die zylindrische Bohrung und das flexible Klappensystem besonders gut fuer bauliche Experimente eignen. Schon Richard Strauss berichtet (in seiner ueberarbeitung von Berlioz Instrumentationslehre) von einer Auffuehrung der Mozartschen g-moll-Symphonie mit einem reinen Klarinettenorchester, das sich aus Instrumenten der verschiedensten Stimmungen zusammensetzte. Fast alle Klarinetten sind transponierende Instrumente und muessen daher dementsprechend notiert werden. Heute Im modernen Gebrauch sind in erster Linie vier Groeßen ueblich: Die normale Klarinette in B, die auch im Jazz und in der Volksmusik verwendet wird, klingt einen Ganzton tiefer, als sie geschrieben wird. Im Orchester gesellt sich zu ihr die A-Klarinette, sie klingt eine kleine Terz tiefer als notiert. Die abwechselnde Verwendung dieser beiden Typen ist vor allem technisch zu begruenden, da sie klanglich fast identisch sind: Passagen in B-Tonarten lassen sich auf dem B-Instrument leichter ausfuehren, die A-Klarinette ist fuer Kreuz-Tonarten spieltechnisch besser geeignet. Im oberen Kasten sind beide Typen nebeneinander abgebildet (die B-Klarinette mit, die A-Klarinette ohne Mundstueck). Fuer einige Komponisten steht allerdings gerade der klangliche Unterschied zwischen den beiden Bauweisen - in A oder in B - im Vordergrund und nicht, wie hier dargestellt, die leichtere Griffweise. So wird dort die A-Klarinette fuer einen weicheren oder waermeren Klang eingesetzt, auf problematische Tonarten wird dabei keine Ruecksicht genommen. Fuer hohe Stimmen wird normalerweise die Es-Klarinette verwendet, deren durchdringender Klang in Blaskapellen und boehmisch-maehrischer Volksmusik, aber auch im groß besetzten Symphonieorchester zum Einsatz kommt. Wegen des durchdringenden Klanges wird sie im Orchester haeufig nur einzeln besetzt. Doch sie kann sich auch sehr gut anpassen und sich mit dem Orchester mischen, ohne dass sie besonders heraussticht. Hauptsaechlich im Orchester und in der sinfonischen Blasmusik, vereinzelt auch im Jazz, ist die Bassklarinette in B zuhause, die eine Oktave unter der B-Klarinette klingt. Seltenere hohe Instrumente sind die Hoch-G-Klarinette (es gibt auch eine tiefe G-Klarinette), das picksueße Hoelzl, das ausschließlich in der Wiener Schrammelmusik gespielt wird, und die C-Klarinette, die im 19. Jahrhundert noch weit verbreitet war. Dieses einzige nicht-transponierende Familienmitglied wird heute ueblicherweise durch die B-Klarinette ersetzt, was dazu fuehrt, dass aus C-Stimmen transponiert, also vom Blatt einen Ganzton hoeher gespielt werden muss. Das Bassetthorn in F wurde vor allem von Mozart sehr geliebt und in einigen seiner Opern, Kammermusikwerken und dem Requiem verwendet (Zur Zeit Mozarts war das Bassetthorn in G gestimmt). Auch Richard Strauss setzte es ein, und heute erlebt es eine Renaissance in der neueren Quartettliteratur fuer Klarinette. In der griechischen sowie in der tuerkischen Volksmusik werden Tief-G-Klarinetten verwendet. Die Instrumente haben deutsche Griffweise und eine gerade Bauform, es gibt sie sowohl in Holz, als auch in Metall. Die Mechanik ist meist nach Albert, man findet aber auch die moderne Form. Die Stimmung ist eine reine Quarte tiefer als notiert, man kann sie also in die Altlage einordnen. Die hohe As-Klarinette spielte frueher die hoechste Klarinettenstimme in der fruehen Blasmusik und wird heute durch die Es-Klarinette ersetzt, ebenso wie die hohe D-Klarinette, die beispielsweise im barocken Klarinettenkonzert von Johann Melchior Molter oder in der Wiener Tanzmusik (Johann Strauß) zu finden ist. Beide Bauformen werden heute nicht mehr serienmaeßig hergestellt. Die Bassettklarinette (in A, B oder auch C) ist das dem Bassetthorn aehnliche Instrument, fuer welches Mozart sein Klarinettenkonzert KV 622 komponierte, das heute nur in rekonstruierten Fassungen vorliegt. Die Bassettklarinette wurde 1788 von dem Wiener Hofinstrumentenmacher Lodz erfunden[1] und von Mozarts Freund Anton Stadler (1753-1812) verbessert. Er fuegte zur normalen Klarinette noch die tieferen Toene Dis, D, Cis, C und H hinzu. Die tiefsten Passagen des Konzerts wurden nach Mozarts Tod nach oben oktaviert, um es auf der verbreiteten A-Klarinette spielen zu koennen. Einige Instrumentenbauer haben in letzter Zeit moderne Sonderanfertigungen dieser Bauform hergestellt, so dass neuere Einspielungen, zum Beispiel jene durch Sabine Meyer, ein authentischeres Bild des Werks vermitteln koennen. Im Blasorchester werden fallweise die Altklarinette in Es und die Kontra-Altklarinette in Es zur Verstaerkung des tiefen Klarinettenregisters verwendet. Weitere Bassinstrumente der Familie sind die Kontra-Bassklarinette in B (die letzten beiden werden auch gelegentlich in Musicals (z. B. A Chorus Line, The Producers) eingesetzt)und die sehr seltene Subkontra-Altklarinette in Es, sowie die Subkontra-Bassklarinette in B, von der weltweit nur wenige Exemplare existieren. Der kanadische Klarinettenbauer Steven Fox konstruiert Klarinetten, die in der Bohlen-Pierce-Skala gestimmt sind. Wegen der hohen Kompatibilitaet dieser Skala mit Klarinetten koennen diese auch in Bezug auf die Klappenmechanik deutlich einfacher ausgefuehrt sein. Vier Ansichten einer Vierteltonklarinette Kurios In den 1930er Jahren entwickelte Friedrich Stein die Steinklarinette, die ein neuartiges Klappensystem auf zwei Metallrohren hatte und von der Firma Gebrueder Moennig in Markneukirchen gebaut wurde. Durch die Beschaeftigung der Komponisten mit Mikrointervallen und der Viertelton-Musik, die in Mitteleuropa ab Anfang des 20. Jahrhunderts stattfand, entstand gerade bei Blasinstrumenten der Wunsch nach baulicher Unterstuetzung dieser Toene. Der Instrumentenbauer Fritz Schueller (1883-1977) konstruierte eine Vierteltondoppelklarinette, die aus zwei nebeneinander liegenden, im Abstand eines Vierteltons gestimmten Klarinetten bestand, die jedoch mit nur einem Mundstueck und einem Klappensystem ausgestattet war. Mit einem zusaetzlichen Hebel konnte zwischen den beiden Roehren hin- und hergeschaltet werden, so dass es ohne erheblich groeßeren Griffaufwand moeglich war, eine Vierteltonleiter zu spielen. Die Sudden Smile Clarinet ist eine Kombination aus Klarinettenmundstueck und Blockfloetenkorpus und waere zutreffender als Chalumeau zu bezeichnen. Sie ist ca. 35 cm lang und steht in C. Dem Spieler steht eine vollstaendige chromatische Skala von 2½ Oktaven zur Verfuegung. Geschichte Die Geschichte der Einfachrohrblattinstrumente reicht bis in die Antike zurueck. Seit altaegyptischer Zeit, in der klassischen Antike sowie im Mittelalter ist eine große Fuelle unterschiedlicher Instrumentenformen, haeufig mit gedoppeltem Schallrohr nachgewiesen. Bei den Rohrblaettern dieser Instrumente entsteht die schwingende Zunge durch einen Einschnitt in den Halm eines Rohres (ideoglottes Rohrblatt). In Regionen mit lebendiger traditioneller Musiktradition sind entsprechende Instrumente z. T. bis in die Neuzeit erhalten geblieben (z. B. Sipsi). Das Chalumeau Das Chalumeau ist erst seit dem Ende des 17. Jhds. nachweisbar und somit nur wenig aelter als die Klarinette. Gegenueber frueheren Einfachrohrblattinstrumenten, die z. T. auch schon als Chalumeau/ Schalmei bezeichnet wurden, kann beim Chalumeau das Rohrblatt vom Mundstueck geloest werden (heteroglottes Rohrblatt). Das Chalumeau hat eine zylindrische Roehre. Es besitzt keine ueberblasklappe und ist daher auf einen Tonumfang von einer großen None beschraenkt. aehnlich der Blockfloete hat es acht Griffloecher, manchmal ergaenzt um eine oder zwei Klappen zur Erweiterung des Tonumfangs. Chromatische Toene werden mit Gabelgriffen gespielt. Denners Klarinette Um 1700 begannen deutsche Instrumentenbauer, das Chalumeau weiterzuentwickeln. Die bedeutendste Errungenschaft auf dem Weg zur Klarinette gelang dem deutschen Instrumentenbauer Johann Christoph Denner. Seine Weiterentwicklung der Chalumeau war die, dass er ein Instrument anfertigte, das mit einer Zusatzklappe zum ueberblasen versehen war. Weil dieses Instrument im mittleren und hohen Register einen lauten, klaren Klang hatte, der an den der Barocktrompete (wegen des Clarinspiels auch als Clarino bezeichnet) erinnerte, wurde es von Mayer im Museum musicum (1732) als Clarinetto, also kleine Trompete bezeichnet. Da die ersten Klarinetten fuer die tiefe Lage jedoch nicht gut geeignet waren, wurden auch weiterhin Chalumeaus gebaut, heute noch nennt man die tiefste Lage der Klarinette das Chalumeau-Register. Die Denner-Klarinette hatte nur zwei Klappen, doch verschiedene andere Hersteller fuegten bald weitere hinzu, um zusaetzliche Toene spielbar zu machen. Das klassische Instrument, wie Mozart es kannte und liebte, hatte acht Griffloecher und etwa fuenf Klappen. Noch mehr Klappen Der naechste wichtige Entwicklungsschritt war die Erfindung der modernen Polster: Fruehe Klarinettenklappen bedeckten die Tonloecher mit Filzscheiben. Da diese aber nicht sehr dicht waren, musste die Anzahl der Klappen klein bleiben, und nicht alle Toene konnten sauber und schoen klingen. Im Jahre 1812 entwickelte Iwan Mueller, ein russischer Klarinettist, ein neuartiges Polster aus Leder, das das Loch erstmals luftdicht abdeckte. Er baute eine Klarinette mit sechs Griffloechern und dreizehn Klappen, die in fast jeder Tonart ohne Probleme gespielt werden konnte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden diesem System, das weltweit Anklang fand, noch weitere Zusatzklappen hinzugefuegt. Hyacinthe Klosé entwarf 1839 eine voellig neue Anordnung der Loecher und Klappen, die stark von den von Theobald Boehm erstellten Berechnungen beeinflusst war, die dieser auf den Bau der Querfloete angewandt hatte. Nach ihm benannte er seine Erfindung auch Boehm-System. Da diese Griffweise voellig neuartig konzipiert war und die das Mueller-System gewohnten Musiker komplett umlernen mussten, setzte es sich jedoch nur langsam durch. Mittlerweile aber ist die Boehmklarinette, vom deutschen Sprachraum abgesehen, das internationale Standardinstrument. Siehe auch: Griffsysteme. Die Wiener Klarinette Die Wiener Klarinette ist ein fuer oesterreich typisches Instrument. Diese besondere Art der Deutschen Klarinette unterscheidet sich von der deutschen Schwester durch eine weitere Bohrung, dickere Wandstaerken und eine andere Mundstuecksbahn. Wiener Blaetter sind breiter als deutsche Blaetter; sie sind auch staerker und haben einen anderen Blattkern. Die Wiener Klarinette verleiht - neben anderen Wiener Instrumenten, wie z. B. Wiener Oboe, Wiener Horn, Wiener Schlagwerk - den oesterreichischen Orchestern ihren typischen Klang. Die Wiener Instrumente basieren auf einer volleren, weicheren Klangvorstellung, wodurch sich diese Instrumente klanglich besser in den Orchesterklang integrieren. Eine besondere Klarinette in der Wiener Volksmusik ist die G-Klarinette. Sie ist einen Halbtonschritt tiefer gestimmt als die selten verwendete As-Klarinette. Sie wird in der Volksmusik, besonders dem Schrammel-Quartett, verwendet und dort auch als picksueßes Hoelzl bezeichnet. Verwendung der Klarinette in der Musik Solistisch Aus den zahlreichen Werken fuer Klarinette und Klavier sind vor allem die beiden Sonaten von Brahms, die Fantasiestuecke von Robert Schumann und die vier Stuecke von Alban Berg hervorzuheben. Weitere Sonaten komponierten Felix Draeseke, Camille Saint-Saens, Max Reger, Arnold Bax, Paul Hindemith, Francis Poulenc, Leonard Bernstein und Aaron Copland. Es gibt auch eine reiche Literatur an Klarinettenkonzerten, das bekannteste duerfte das Klarinettenkonzert KV 622 von Wolfgang Amadeus Mozart sein. Auch Carl Maria von Weber, Ludwig Spohr, Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Krommer, Johann Melchior Molter und Mitglieder der Stamitz-Familie schrieben bekannte und bis heute haeufig aufgefuehrte Klarinettenkonzerte, spaeter komponierten Claude Debussy, Igor Strawinski oder Aaron Copland Werke fuer Soloklarinette mit Orchesterbegleitung. Erwaehnung verdient weiterhin das Klarinettenkonzert von Carl Nielsen. Einen Hoehepunkt in technischer und auch musikalischer Raffinesse markiert das Klarinettenkonzert von Jean Françaix (1968), jedoch wird es wegen seiner hohen Anforderungen an den Solisten wie auch an das Orchester nur selten aufgefuehrt. Die voellig unbegleitete Klarinette wurde von vielen Komponisten, vor allem im 20. Jahrhundert mit Solokompositionen bedacht. Die prominentesten Vertreter sind hier die drei Stuecke von Strawinski, das Capriccio von Heinrich Sutermeister, Luciano Berios Sequenza IXa, die Solo-Sonaten von Germaine Tailleferre und John Cage, sowie Labime des oiseaux von Olivier Messiaen. Kammermusik In der reinen Blaeserkammermusik gibt es kaum eine Formation ohne Klarinette. In Harmoniemusiken, Blaeseroktetten und -sextetten sind meistens zwei, im Holzblaeserquintett ist eine Klarinettenstimme besetzt. Eine weitere wichtige Besetzung ist das moderne Klarinettenensemble mit Klarinetten, Bassetthoernern, Es-Klarinette, Bassklarinette und Saxophonen oder das Klarinettenquartett aus zwei Klarinetten, Bassetthorn und Bassklarinette. Außerdem hat die Klarinette in den Quintetten fuer Klavier und Blaeser von Mozart und Beethoven mancherlei Aufgaben. In der gemischten (Blaeser- und Streicher-) Kammermusik ist zuallererst das Klarinettenquintett zu nennen, das den Klang des solistischen Blasinstruments mit einem Streichquartett kombiniert. Vor allem die Quintette von Mozart und Brahms sind hier hervorzuheben. In der groeßeren gemischten Besetzung, wie im Schubert-Oktett oder Beethoven-Septett teilt sich die Klarinette mit der ersten Violine oft die Hauptstimme. Olivier Messiaen besetzt in seinem Quatuor pour la fin du temps (Quartett zum Ende der Zeit) quasi die Klarinette an Stelle der Viola. Orchester Abgesehen von einigen solistischen Einsaetzen, z. B. in Werken von Antonio Vivaldi, war das Chalumeau nie wirklich im barocken Orchester integriert. Erst mit der Weiterentwicklung zur Klarinette konnte sich das Instrument neben den anderen Holzblaesern behaupten. Im Sinfonieorchester sitzen die Klarinettisten meistens in der zweiten Holzblaeserreihe neben den Fagottisten; wobei die ersten Blaeser beider Gruppen (Soloklarinettist und Solofagottist) direkt nebeneinander sitzen. Wolfgang Amadeus Mozart hoerte 1778 in Mannheim Sinfonien von Carl Stamitz und schrieb an seinen Vater: Ach, wenn wir nur clarinetti haetten! - sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten einen herrlichen Effect macht! Mozart bemuehte sich von diesem Zeitpunkt an, dieses Instrument auch in oesterreich im Orchester zu integrieren, und es ist mit sein Verdienst, dass in den Symphonien von Beethoven die Klarinette bereits fest zur Blaesergruppe gehoert und gleichwertig mit der Oboe oder Floete eingesetzt wird. Besonders charakteristische Stellen findet man in den innigsten Momenten vieler Mozart-Opern und in den langsamen Saetzen der Beethoven-Symphonien. Zu dieser Zeit wurden ueblicherweise zwei Klarinetten im Orchester besetzt. Bei vielen Komponisten der Romantik ist die Klarinette, aehnlich der Oboe in der Barockzeit, das Instrument der Wahl fuer intime, gesangliche Passagen (beispielsweise in den Symphonien von Mendelssohn oder Brahms). Auch im romantischen Opernorchester wird sie gerne mit ausdrucksvollen Gesangslinien bedacht. Außerdem vergroeßert sich die Klarinettengruppe im Orchester, oft kommen drei oder mehr Spieler zum Einsatz, die zum Teil auch Nebeninstrumente spielen. Vor allem im romantischen Opernorchester spielt z. B. die Bassklarinette eine zunehmende Rolle (etwa in den Opern von Richard Wagner). Die Klarinettenpartien aus Opern von Richard Strauss sind so wichtig und anspruchsvoll, dass sie bis heute als Pflichtstuecke bei Vorspielen verlangt werden. Einzelne Komponisten (z. B. Schostakowitsch in seiner Oper Lady Macbeth von Mzensk) besetzen bis zu fuenf Klarinettisten. Zu Beginn des 20. Jahrhundert beeinflusste der neuartige Jazz auch die Konzertmusik, und naturgemaeß wurde hierbei die Klarinette als verbreitetes Jazz-Instrument, das aber auch im Orchester vertreten ist, zunehmend verwendet. Ein weltbekanntes Beispiel ist der Beginn der Rhapsody in Blue von George Gershwin. Neuere Komponisten schaetzen die Klarinette vor allem wegen ihrer Wendigkeit in allen Registern. Blasorchester In Blasorchestern und Militaerkapellen wird die Klarinette fuer schnelle Solopassagen verwendet. In Blasmusikbearbeitungen symphonischer Werke uebernehmen die in zwei oder mehr Gruppen geteilten Klarinetten haeufig die Geigenstimmen. Sie spielen dort weitgehend in ihrem oberen Tonbereich, in dem sie sich leicht von den anderen Instrumenten abheben. In groeßeren Blasorchesterbesetzungen werden zu den vorherrschenden B-Klarinetten auch noch die tiefere Alt-Klarinette (in Es) und die Bassklarinette (in B) besetzt. Die Kontra-Alt-Klarinette in Es und die Kontrabass-Klarinette in B sind sehr selten anzutreffen. In boehmisch-maehrischer Volksmusik wird sie meist zweistimmig (Es und B) besetzt und hat, abgesehen von eigenen Solopassagen, verzierende Funktion. Da die haeufigen Pralltriller und Sechzehntelfiguren an Vogelgezwitscher erinnern, werden ihr oft Namen von Singvoegeln gegeben z. B. in den Titeln Gesang der Lerche oder Amselbrueder. Jazz Vor allem im fruehen Jazz war die Klarinette ein zentrales Instrument, der Gipfel ihrer Popularitaet war in der Dixieland Jazz- und Big Band-aera der 1930er und 1940er Jahre, als Klarinettisten wie Benny Goodman, Artie Shaw, Johnny Dodds, George Lewis und Woody Herman die wohl erfolgreichsten Unterhaltungsmusikgruppen ihrer Zeit anfuehrten. aehnlich wie bei den Beatles, die eine Generation spaeter viele Menschen dazu brachten, Rockmusik zu machen, begannen viele junge Menschen unter diesem Einfluss, Klarinette zu spielen. Mit der sinkenden Beliebtheit der Big-Bands in den spaeten 1940ern entfernte sich das Instrument von der zentralen Position. Es wurde vor allem vom Saxophon verdraengt. Obwohl einige Musiker wie Buddy DeFranco, Jimmy Giuffre, Rolf Kuehn, Perry Robinson, Theo Joergensmann oder John Carter die Klarinette auch fuer Bebop und Free Jazz einsetzten, konnte die Klarinette bis heute ihren alten Stellenwert nicht mehr erreichen. In der zeitgenoessischen Improvisationsmusik kann man sie wieder oefter hoeren. Im Dixieland-Revival der 1950er Jahre wurden Klarinettisten wie Acker Bilk und Sidney Bechet beruehmt und gelangten mit ihrer Musik sogar in die Hitparaden der Popularmusik. In der populaeren Jazzmusik fand auch die selten eingesetzte Metallklarinette ihren Platz. Derzeit erwaehnenswerte Jazzklarinettisten sind auch z. B. Eddie Daniels, Paquito D'Rivera oder Don Byron. Grenzgaenger Jean-Christian Michel ist von der Kirchenmusik von Johann Sebastian Bach und vom anspruchsvollen Europaeischen Jazz inspiriert und spielt seine Kompositionen und Adaptationen auf der Klarinette. Das German Clarinet Duo spielt eine improvisierte Kammermusik, in der Elemente des Jazz und der Neuen Musik durch eine jazzoide Zeitgestaltung miteinander verbunden werden. Auch Woody Allen spielt Klarinette und hat in den Aufnahmen seiner Filmmusiken (Take the Money and run, The Sleeper, Radio Days) selbst die Klarinette gespielt. Der englische Musiker John Helliwell setzt die Klarinette als tragendes Melodieinstrument in der Rockgruppe Supertramp ein. Musiker wie Tara Bouman oder Michael Riessler wiederum sind musikalische Grenzgaenger, die aus der klassischen Musik kommen. Beide haben sich aber auch als Improvisatoren einen Namen gemacht. Weiteres Auch im Klezmer (Giora Feidman, Joel Rubin) und der osteuropaeischen Volksmusik (Iwo Papasow) findet die Klarinette reiche Verwendung als Solo- oder Begleitinstrument. Insbesondere auf dem ganzen Balkan (Yiorgos Mangas) ist die Klarinette ein Standardinstrument bis hin zu den kleinsten Besetzungen. Nicht ganz so unentbehrlich, aber immer noch wichtig ist die Klarinette in der alpenlaendischen Volksmusik. In einer anderen, dem verwendeten Tonsystem angepassten Bauform ist die Klarinette auch in der tuerkischen Folklore (Mustafa Kandirali) gebraeuchlich. Seltener wird sie in der Popmusik eingesetzt. Eine außergewoehnliche Mixtur aus Dixieland Jazz und Beatmusik findet sich z. B. in dem Stueck When Im Sixty-Four der Beatles. Beruehmte Klarinettisten Der erste große Klarinetten-Star war Anton Stadler (1753-1812), dem Wolfgang Amadeus Mozart fast saemtliche seiner Werke fuer Klarinette, Bassetthorn oder Bassettklarinette auf den Leib schrieb. Er kam urspruenglich aus Prag, fuehrte aber wegen seiner großen Beliebtheit in vielen europaeischen Metropolen ein regelrechtes Wanderleben. Aehnlich inspirierend duerfte der Muenchner Hofmusiker Heinrich Joseph Baermann (1784-1847) auf Carl Maria von Weber gewirkt haben, der ihm zwei Konzerte, ein Konzertstueck und Kammermusikwerke widmete. Sein Sohn Carl Baermann war auch Klarinettist und schrieb neben einigen Konzerten eine Klarinettenschule, die bis heute verwendet wird. Ein Zeitgenosse Heinrich Baermanns, welcher als bedeutendster Virtuose seiner Zeit galt, war Johann Simon Hermstedt. Ihm widmete Louis Spohr, welcher im Gegensatz zu Weber keinerlei Ruecksicht auf die noch vorhandenen technischen Probleme der Klarinette nahm, seine vier Klarinettenkonzerte. Diese Ruecksichtslosigkeit von Seiten Spohrs veranlasste Hermstedt, das Instrument entsprechend weiterzuentwickeln. Auch Johannes Brahms, der in den 1890er Jahren eigentlich schon aufgehoert hatte, zu komponieren, wurde vom schoenen Ton des Autodidakten Richard Muehlfeld (1856-1907) dazu gebracht, kurz vor seinem Lebensende noch einige Klarinettenwerke zu komponieren. Fuer Benny Goodman komponierten Aaron Copland und Paul Hindemith ihre beruehmten Klarinettenkonzerte. Auch Béla Bartók widmete Goodman seine Kontraste fuer Violine, Klarinette und Klavier. Bedeutende Klarinettisten der Gegenwart sind Sabine Meyer, Dieter Kloecker, Sharon Kam, Eduard Brunner und Wolfgang Meyer. Paedagogik Wie so viele andere Instrumente kann man auch das Klarinettenspiel privat, an Musikschulen, Konservatorien oder Kunsthochschulen erlernen. Vor der Anschaffung eines Instruments sollte unbedingt der zukuenftige Lehrer konsultiert werden, der den Schueler ueber die Wahl des Klappensystems und die Qualitaet der Klarinette beraten kann. Neben der Vermittlung von Grifftechnik, Haltung, Atemtechnik und Ansatz sollte ein guter Klarinettenlehrer auch in der Lage sein, Tipps fuer die Bearbeitung des Blatts zu geben. In Klarinettenensembles, Blasorchestern oder Amateur- oder Schulorchestern kann der fortgeschrittene Schueler seine erste Spielpraxis erhalten, im professionellen Studium bieten sich zudem noch Kammermusikensembles oder Hochschulorchester an. Fuer die Aufnahme in ein Symphonieorchester ist das Gewinnen eines Vorspiels vonnoeten, bei dem Solokonzerte und schwierige Stellen aus Orchesterwerken vorzutragen sind. Die Vorbereitung solcher Probespiele ist einer der Schwerpunkte des professionellen Instrumentalstudiums. Wichtige Etueden und Schulwerke fuer Klarinette stammen von Kalman Opperman, Friedrich Berr, Giovanni Battista Gambaro, Hyacinthe Klosé, Fritz Kroepsch, Rudolf Jettel, Ernesto Cavallini, Paul Jeanjean und Alfred Uhl. |
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Musik im besten Sinne bedarf weniger der Neuheit, ja vielmehr je älter sie ist, je gewohnter man sie ist, desto mehr wirkt sie. Johann Wolfgang von Goethe
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